Ist Biofleisch die Lösung?


Ich nehme die Tatsache, daß sich "Tierdiplomat" Michael Aufhauser immer wieder für "Biofleisch" stark macht, zum Anlaß, einmal die ethische Wertigkeit von "Biofleisch" ausdrücklich und grundsätzlich zu thematisieren. Ich beziehe mich dabei auf meine Diskussion mit Stefan Bernhard Eck im A.K.T.E.-Forum (www.tierrechteportal.de, TR-Ethik / Universal-Ethik, "Bio-Fleisch"), wo er seine überzeugenden Argumente anschaulich darlegt. Ich beschränke mich im folgenden im wesentlichen darauf, das Ergebnis dieser Diskussion, wie ich es sehe, darzustellen bzw. auf den Punkt zu bringen.

Nehmen wir einmal an, bei uns wäre nicht nur die Todesstrafe üblich, sondern auch, die zum Tode Verurteilten vor der Hinrichtung zu foltern. Ergäbe sich nun die Möglichkeit einer Reformierung dieser grausamen Praxis dergestalt, daß den Todeskandidaten wenigstens die Folter erspart wird, so müßten wir uns für diese Erleichterung ihres Schicksals selbstverständlich einsetzen. Und zwar auch gegen den Widerstand jener Todesstrafen-Gegner, die eine solche Reformierung der Todesstrafe als strategisch kontraproduktiv ablehnen, weil sie das Grundübel Todesstrafe nur weiter zementiere.

Es wäre unsere Pflicht, alles daranzusetzen, um diese momentan mögliche Notlösung auf dem Weg zur Lösung, sprich: auf dem Weg zur Abschaffung von Folter UND Todesstrafe, zu realisieren. Wir müßten das mögliche geringere Übel dem praktizierten größeren Übel vorziehen.

Andererseits wäre es natürlich ein fataler Fehler, diese Notlösung nun schon als Lösung zu betrachten und zu propagieren. Denn das geringere Übel ist selbstverständlich noch immer ein Übel, das es zu bekämpfen und zu beseitigen gilt. Das Etappenziel Abschaffung der Folter darf nicht mit dem Endziel Abschaffung der Folter und der Todesstrafe verwechselt werden.

Ebenso verhält es sich mit "Biofleisch": Die "normale" Fleischproduktion bedeutet für die Tiere, daß sie vor der Schlachtung auch noch lebenslang gequält werden. Wenn wir den Tieren diese Folter vor der Hinrichtung ersparen können, dann müssen wir dies tun. Und "Biofleisch" ist ein Schritt in diese Richtung, denn bei der "biologischen" Tierzucht haben die Tiere wenigstens vor ihrem Tod ein mehr oder weniger angenehmes Leben. (Wenngleich die Schlachtung und die Vorbereitungen dazu mit Sicherheit auch hier in den allermeisten Fällen mit schrecklichem Leiden verbunden sind.)

In einem entscheidenden Punkt hinkt der obige Vergleich zwischen Folter und Hinrichtung einerseits und "normalem" bzw. "biologischem" Fleisch" andererseits freilich: Es besteht weder die Notwendigkeit, "normales" Fleisch zu essen noch die Notwendigkeit, "Biofleisch" zu essen! Der Vergleich kommt daher nur im Hinblick auf jene Menschen zum Tragen, die auch nach aller Belehrung über die medizinische Nicht-Notwendigkeit und ethische Verwerflichkeit des Fleischessens weiterhin auf eben dieses beharren.

Hier und nur hier gilt: Besser "Biofleisch". Aber "Biofleisch" muß weiter als das bezeichnet, bewertet und behandelt werden, was es ist: als eine Notlösung und keine Lösung, als das geringere Übel, aber noch immer als Übel.

Auf den Punkt gebracht, gibt es hier zwei unverzeihliche Verfehlungen:

  1. Leidensfähigen Wesen aus strategischen Gründen die Notlösung "Biofleisch" zu verweigern.
  2. Diese Notlösung "Biofleisch" bereits als Lösung zu bezeichnen und zu propagieren.


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