|
So zynisch es klingen mag, aber die Tierseuchen der jüngeren Vergangenheit und
Gegenwart, von BSE bis zur Vogelgrippe, sind auch eine Chance, eine Chance für die überfällige Erkenntnis, daß das Essen von
Tieren überhaupt nicht in eine moderne, humane und aufgeklärte Gesellschaft paßt. In allen anderen Lebensbereichen haben im Laufe der Zeit weit- und tiefgreifende
Veränderungen stattgefunden. Denken wir an die immensen Fortschritte in Medizin, Technik und Wissenschaft. Oder an die
großartigen Werke in der Literatur und Musik. Nur in einem Bereich hat sich überhaupt nichts geändert, da treten wir
seit der Steinzeit auf der Stelle: beim Essen. Nach wie vor Fressen wir wie die Wilden Tiere. Das Fleischessen (und das damit zusammenhängende Konsumieren anderer
Tierprodukte) ist DER Anachronismus des modernen Menschen, ein ökologischer, ökonomischer, medizinischer und
ethischer Wahnsinn: Diese grauenhafte Gewohnheit zerstört die Umwelt, ist unwirtschaftlich und ungesund,
verursacht Hunger und ist ein Verbrechen gegenüber den Tieren. Mögen die Tierseuchen uns endlich die Augen
öffnen und erkennen lassen, daß wir uns auf einem entsetzlichen Irrweg befinden. Aber das wird wahrscheinlich erst passieren, wenn Millionen von Menschen
an Seuchen zugrundegehen. Oder wenn ein paar fortschrittliche Unternehmer endlich das Steinzeitreservat
menschliche Ernährung modernisieren und die antiquierte Agrar-Bande zum Teufel jagen.
© Helmut F. Kaplan Themenverwandte Artikel: |
|||